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Berlin
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Berlin Art at Site www.berlinkunst.info Micha Ullman	Denkmal Bücherverbrennung, Versunkene Bibliothek
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Website:
Micha Ullman
Denkmal Bücherverbrennung, Versunkene Bibliothek
1993
Bebelplatz
Website
www.berlin-judentum.de:
Denkmal zur Bücherverbrennung: Die versunkene Bibliothek am Bebelplatz Am 10 Mai 1933 fanden in vielen deutschen Universitätsstädten Bücherverbrennungen statt, in Berlin gegenüber von der Friedrich-Wilhelm-Universität (heute: Humboldt-Universität) auf dem Opernplatz (heute: Bebelplatz). Sie bildete den Höhepunkt der Kampagne "wider den undeutschen Geist". 9 sogenannte "Feuersprüche" umrahmten die Verbrennung der Werke von Philosophen, Wissenschaftlern, Lyrikern, Romanautoren, Essayisten, deren Inhalte als "undeutsches Schrifttum" galten, wie Thomas Mann, Heinrich Mann, Bertolt-Brecht, Erich Maria Remarque, Alfred Kerr, Karl-Marx, Kurt Tucholsky, Sigmund Freud, Heinrich Heine, Rudolf Kautsky, Erich Kästner und vielen andere. So hieß es: "Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner". Verborgen in der Zuschauermenge dürfte Erich Kästner der einzige Autor gewesen sein, der bei der Verbrennung seiner Bücher anwesend war. 25 Jahre später schildert er seine Erinnerungen an diesen Abend: "Im Jahre 1933 wurden meine Bücher in Berlin, auf dem großen Platz neben der Staatsoper, von einem gewissen Herrn Goebbels mit düster-feierlichem Pomp verbrannt. Vierundzwanzig deutsche Schriftsteller, die symbolisch für immer ausgetilgt werden sollten, rief er triumphierend beim Namen. Ich war der einzige der Vierundzwanzig, der persönlich erschienen war, um dieser theatralischen Frechheit beizuwohnen. Ich stand vor der Universität, eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, den Blüten der Nation, sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen und hörte die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners. Begräbniswetter hing über der Stadt (...) Plötzlich rief eine schrille Frauenstimme: "Dort steht ja der Kästner!" Eine junge Kabarettistin, die sich mit einem Kollegen durch die Menge zwängte, hatte mich stehen sehen und ihrer Verblüffung übertrieben laut Ausdruck verliehen. Mir wurde unbehaglich zumute. Doch es geschah nichts. (Obwohl in diesen Tagen gerade sehr viel zu "geschehen" pflegte." (gesammelte Werke, Bd 1, S 370 und "in Durchsicht meiner Bücher") Zur Erinnerung an dieses Ereignis hat der israelische Künstler Micha Ullmann als Denkmal die versunkene Bibliothek geschaffen, die am 20. März 1995 eingeweiht wurde. Es handelt sich um einen unterirdischen etwa 5 m tiefen Raum, der nicht zugänglich ist, sondern nur von oben durch eine Glasplatte einsehbar ist. Dieser Raum ist mit leeren Bücherregalen ausgestattet, die Platz für 20 000 Bände bieten.