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Berlin
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Berlin Art at Site www.berlinkunst.info Eduardo Chillidas	Berlin
Artist:
Title:
Year:
Adress:
Website:
Eduardo Chillidas
Berlin
2000
Willy-Brandt-Straße 1
Website
www.wikipedia.org:
Eduardo Chillida (* 10. Januar 1924 in San Sebastián; † 19. August 2002 ebenda) war ein spanisch baskischer Bildhauer und Zeichner. Er gehört zu den bedeutendsten Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Seine bekanntesten Werke sind große Skulpturen mit raumgreifenden Strukturen.

www.berliner-zeitung.de:
Mächtige Stahlstreben mit dunkler Patina schälen sich aus der weißen Hülle. Als sie fällt, steht Eduardo Chillidas Skulptur wie ein Wächter vor dem Eingang der neuen deutschen Regierungszentrale im Tiergarten. Noch konkurriert sie mit einem viel höheren Betonsilo, denn Haus und Gelände sind noch Baustelle, aber im April kommenden Jahres will Bundeskanzler Gerhard Schröder den monumentalen Kubus beziehen. Die Rostschicht auf dem 90 Tonnen schweren Kunstwerk, das Symbol für die deutsche Einheit sein will, entstand, als der Bildhauer es monatelang dem baskischen Wetter ausgesetzt hatte, der Hitze des Sommers im Hügelland vor der Atlantikküste - und den heftigen Stürmen vom Atlantik her. Der Bundeskanzler lobte gestern Mittag "das Kraftvolle dieses auf Annäherung drängenden Werkes", das künftig eine "würdige Empfangskulisse für ausländische Gäste" geben werde und "Wahrzeichen des vereinten Deutschlands" sei. Tatsächlich hat der 76-jährige Baske Chillida, einer der wichtigsten Bildhauer der Gegenwart, die spannungsreichen Gegensätze, das, was zusammenwachsen soll, in ein abstraktes Sinnbild gefasst: Zwei sich suchende und doch auch noch widerstrebende Energien greifen ineinander - Kräfte oder Hände, wenn man so will. Für den baskischen Bildhauer sind Hände "die perfekte Form". Hände greifen, gestalten, Hände zerstören auch. Hände umgreifen oftmals Leere - und formen daraufhin "aus dem Nichts ein Etwas". Annäherung und Trennung bestimmen den Eindruck dieser riesigen Skulptur, so wird sie zum Signum für einen gesellschaftlichen Prozess. Das Münchner Kunstsammler-Paar Rolf und Irene Becker kaufen das Werk von Chillida und geben es als Schenkung im Wert von zwei Millionen Mark an die Stiftung Preußischer Kultur- besitz. Die Stiftung überlässt das Werk dem Kanzleramt als Dauerleihgabe. Der rostüberzogene Wächter vor dem neuen Kanzleramt der Berliner Republik ist ein Symbol - für einen politischen und gesellschaftlichen Prozess, der Zeit braucht, Geduld, Verständnis, Nachsicht, Toleranz - und Strenge. Chillidas Wahrzeichen für Berlin hat Strenge, es plädiert für Geduld, Verständnis und Toleranz. Kommt die Sonne hervor, scheinen die zwei rechteckigen Säulen mit ihren acht aufeinander zustrebenden Armen - oder Händen - in Flammen zu stehen. Aber die Arme oder Hände berühren sich nicht, sondern umspielen einander in einer mehrdeutigen Geste von Annäherung und vorsichtiger Distanz. Die Skulptur ist offen ausbalanciert und bei aller Erdenschwere leicht wie das ganze Formenrepertoire dieses Bildhauers, der - an der Klassischen Moderne geschult - auf eigenwilligem Weg zur neuen Definition des Raumes gelangte. Durch Chillidas offene Formen, mit denen er Dynamik und Ruhe, Raum und Zeit, wohl auch Wirklichkeit und Möglichkeit erlebbar machen will, pfiff gestern der Berliner Herbstwind. Die Politiker hatten Mühe, ihre Frisuren in Ordnung zu bringen. Er wolle vor allem, ließ der erkrankte Chillida bei der feierlichen Enthüllung durch seine Frau Pilar übermitteln, "dass meine Arbeiten atmen". BERLINER ZEITUNG/NICOLE MASKUS Sekunden, bevor die Hülle fiel: Eine Chriffre im neuen Zentrum der Macht.